Mut zur Glatze: Wenn Frauen mit Alopezie ihr Leben neu definieren
Mut zur Glatze: Wenn Frauen mit Alopezie ihr Leben neu definieren

Mut zur Glatze: Wenn Frauen mit Alopezie ihr Leben neu definieren

Zwei Geschichten, die Mut machen

Es gibt Momente im Leben, die alles verändern. Für manche ist es der Blick in den Spiegel, der zeigt: Die Haare sind weg. Komplett. Für Frauen mit Alopezie beginnt dann oft ein langer Weg – ein Weg zwischen Verstecken und Sichtbarwerden, zwischen Scham und Selbstakzeptanz, zwischen Perücken und der befreienden Entscheidung für die Glatze.

In einem bewegenden Artikel der Berner Zeitung erzählen zwei beeindruckende Frauen aus der Region Bern ihre persönlichen Geschichten: Mirjam Kalbermatten aus Burgdorf und Dinah Bolli aus Bern. Beide leben mit Alopezie – beide haben sich für einen mutigen Weg entschieden, der ihr Leben grundlegend verändert hat.

Wenn die Haare zum Versteckspiel werden

Die Geschichte beginnt oft schleichend. Ein kahler Fleck hier, eine lichte Stelle dort. Was Mirjam Kalbermatten mit knapp 30 Jahren zum ersten Mal bemerkte, wurde schnell zu mehreren haarlosen Stellen. Ihr erster Impuls: verstecken. Sie versuchte Kortisontherapien, die zunächst funktionierten – sogar pünktlich zur Hochzeit kamen die Haare zurück. Doch die Behandlung hatte ihren Preis: schmerzhafte Beulen auf der Kopfhaut. Als sie das Kortison absetzte, begann der Kreislauf von vorne.

Dinah Bollis Weg war noch länger. Bereits mit zehn Jahren, beim Zöpfeflechten für ein Chorkonzert, bemerkten ihre Freundinnen erste kahle Stellen. Es folgten Jahre des Experimentierens mit Hautcremes, Lotionen und täglichen Versuchen, haarlose Stellen zu kaschieren. In der Pubertät wurde es besonders schwer – denn in diesem Alter will man einfach nur dazugehören, nicht anders sein. Sie liebte ihre langen Haare, doch die fielen ihr zunehmend aus. Stirnbänder und Mützen wurden zu ständigen Begleitern.

Mit 18 verlor sie alle Kopfhaare. Perücken fühlten sich wie ein ständiges Versteckspiel an. Die Kortisontherapie führte zu Wassereinlagerungen im ganzen Körper. Wie sie selbst sagt: "Man rutscht von einem Problem ins andere."

Der Moment der Befreiung

Für Mirjam Kalbermatten kam der Wendepunkt, als ihr nur noch Fäden vom Kopf hingen. Sie entschied sich für den radikalen Schnitt – die Totalrasur. "Es war ein Befreiungsschlag", erzählt die heute 39-jährige Stadträtin. Doch auch danach trug sie zunächst Tücher oder Mützen vor der Haustür. Bis eines Tages der Postbote klingelte und sie aus Versehen mit Glatze öffnete. Seine Reaktion? Keine. Absolut keine. In diesem Moment realisierte sie: Es ist in Ordnung, anders zu sein.

Dinah Bollis Wendepunkt kam mit 25, als sie die Haare am ganzen Körper verlor – Alopezie universalis. "Ich beschloss, mich dieses Mal nicht vom Haarausfall beherrschen zu lassen", sagt die heute 30-Jährige. Der erste Blick in den Spiegel ohne Haare war dennoch ein Schock: "Für mich brach eine Welt zusammen."

Doch dann fand sie Inspiration in den sozialen Medien. Andere Frauen mit Alopezie, die selbstbewusst ihre Glatze zeigten und wunderschön aussahen. Sie setzte sich ein Ziel: sich spätestens im nächsten Sommer im Marzili "oben ohne" zu zeigen. Dieses Ziel erreichte sie sogar früher als geplant.

Warum Alopezie mehr ist als nur Haarausfall

Alopezie ist eine Autoimmunerkrankung, von der weltweit ein bis drei Prozent der Menschen betroffen sind. Wie Romina Rausch, die Gründerin von Kopfrausch, erklärt: Die Krankheit wird durch eine Entzündung der Haarfollikel ausgelöst, die die Haarwurzel umgeben. Diese Entzündung führt zum Haarausfall – in verschiedenen Ausprägungen. Vom kreisrunden Haarausfall über den vollständigen Verlust der Kopfhaare bis hin zum Verlust aller Körperhaare.

Jedes Loch im Bart oder in den Haaren kann auf Alopezie hindeuten, egal wie ausgeprägt. Oft geht dem Haarausfall eine andere Krankheit voraus, etwa Neurodermitis.

Besonders für junge Menschen ist der Haarausfall eine enorme Belastung. Romina Rausch, die selbst seit 25 Jahren von Alopezie betroffen ist, kennt die Geschichten aus ihrer täglichen Beratungsarbeit: "Es ist ein Alter, in dem man dazugehören will." Auch für Männer sei früher Haarausfall besonders schwierig – die Identität ändert sich komplett, der Weg zur Selbstakzeptanz ist lang und steinig.

Die Kraft der Sichtbarkeit

Was beide Frauen verbindet: Durch ihre Entscheidung für die Glatze haben sie enormes Selbstvertrauen gewonnen. Mirjam Kalbermatten informierte ihre Arbeitskollegen per Mail über ihr neues Erscheinungsbild, spricht offen im Burgdorfer Stadtrat darüber und teilt ihre Erfahrungen in den sozialen Medien. "Ich will Betroffenen helfen", sagt sie. Manchmal vergisst sie sogar, dass sie keine Haare mehr hat – erst wenn Leute starren, wird ihr wieder bewusst, dass etwas anders ist.

Dinah Bolli erhält überwiegend positive Reaktionen. Menschen sprechen sie interessiert an, ihre Familie und Freunde bewundern ihren Mut. Nur selten gibt es negative Blicke – wie den Mann, der sie lange anschaute und den Kopf schüttelte.

Beide Frauen sind zu Vorbildern geworden. Nicht trotz ihrer Glatze – sondern mit ihr.

Gemeinsam statt einsam

Der Austausch mit anderen Betroffenen kann enorm wertvoll sein. Mirjam Kalbermatten hat an Treffen des Vereins Alopecia Areata teilgenommen und war begeistert von der Vielfalt der Menschen, die sie dort traf. Dinah Bolli interessierte sich als Teenager weniger für solche Angebote, fand ihre Inspiration aber online bei anderen Frauen mit Alopezie.

Bei Kopfrausch bieten wir genau diese Unterstützung: Romina Rausch berät Betroffene aus eigener Erfahrung und stellt Kopftücher sowie andere Accessoires her, die Betroffenen Halt und Selbstvertrauen geben können – ob für die Übergangszeit oder dauerhaft.

Lies die vollständigen Geschichten

Die persönlichen Erzählungen von Mirjam Kalbermatten und Dinah Bolli sind tief bewegend und inspirierend. In der Berner Zeitung berichten beide Frauen ausführlich über ihre Erfahrungen, ihre dunkelsten Momente und ihren Weg zur Selbstakzeptanz.

 Hier geht's zum vollständigen Artikel in der Berner Zeitung: "Ohne Haare im Stadtrat und im Marzili: Wie zwei Frauen durch ihre Glatze Mut fanden"

Dieser Artikel zeigt eindrücklich: Alopezie ist kein Grund, sich zu verstecken. Es ist eine Krankheit, mit der Millionen Menschen weltweit leben – und viele von ihnen haben gelernt, sie als Teil ihrer Identität anzunehmen.


Du bist selbst betroffen oder kennst jemanden mit Alopezie? Bei Kopfrausch findest du nicht nur hochwertige Kopftücher und Accessoires, sondern auch Beratung und Verständnis von jemandem, der den Weg selbst gegangen ist. Lass uns gemeinsam Wege finden, wie du dich wieder wohlfühlen kannst – ob mit Tuch, Perücke oder stolz mit Glatze.

Kopfrausch-Gedanke zum Mitnehmen

Wenn du gerade mitten drin steckst: Du musst nicht sofort “stark” sein. Du musst dich nicht sofort zeigen. Und du musst dich nicht entscheiden zwischen Perücke ODER Tuch ODER Glatze. Du darfst wechseln. Je nach Tag. Je nach Gefühl.

Wichtig ist nur: Es darf wieder leichter werden. Und manchmal beginnt das damit, dass man eine Geschichte liest, die die eigenen Gedanken in Worte fasst.